Auswirkungen auf die Eltern
Da
das Konzept des Werkstatt-unterrichts den Eltern der Schulneu-lingen der Regel
fremd und "unberechenbar" erscheint, da es sich in der Regel krass
von ihren eigenen Schulerfahrungen unterscheidet, müssen sie in regelmäßigen
Elternabenden mit dem Konzept vertraut gemacht und über Ziele, Inhalte
und Methoden umfassend informiert werden.
Der Lehrer sollte immer wieder zu Hospitationen im Unterricht einladen oder
wenigstens durch Videoaufnahmen aus der Werkstattarbeit zur Transparenz des
Konzeptes beizutragen. Die Kinder meiner Klassen sind es gewohnt, Eltern,
Kollegen und andere interessierte Gäste im Unterricht zu erleben und
alle Beteiligten haben viel Spaß an diesen Besuchen.
Neben eigenen Videoaufnahmen aus der jeweiligen Klasse ist der Film "Lob
des Fehlers", der neben der konkreten Unterrichtsarbeit auch die Ursprünge
und Hintergründe sehr anschaulich aufzeigt, sehr zu empfehlen.
In einem konsequent durchgeführten Werkstattunterricht werden auch Hausaufgaben
vielfach individuell gestellt werden. Häufig formuliere ich Hausaufgaben
etwa in der Art "Überlege dir, wo du weiterarbeiten / weiterlernen
musst!". Die Kinder prüfen selbst, wo ihre Stärken und Schwächen
sind und in welchem Bereich sie infolgedessen zu Hause weiterarbeiten. Es
ist immer wieder verblüffend, wie fleißig die meisten Kinder arbeiten,
wenn ihnen die Verantwortung für ihr Lernen auch hier übertragen
wird. Nur in Ausnahmefällen versuchen sich einzelne Schüler ungeliebten
und unbequemen Pflichten zu entziehen, so dass der Lehrer gefordert ist, gezielt
zu motivieren und zu ermutigen. Gelegentlich stelle ich die Hausaufgaben auch
individuell, indem ich einzelnen Schülergruppen Arbeitsaufträge
zuweise. Auch hier bleibt aber ein qualitativer sowie quantitativer Spielraum
("Gruppe X arbeitet im Mathematikbuch weiter, Gruppe Y arbeitet im Schreibbuch
weiter, Gruppe Z bearbeitet einen Forscherauftrag" o.ä.). Diese
Art des Umgangs mit Hausaufgaben ist unüblich und daher für die
Eltern verwirrend und gewöhnungsbedürftig. Versuche, sich "vorsichtshalber"
in der Nachbarschaft zu erkundigen, was die Kinder denn "aufhaben",
werden in den meisten Fällen scheitern, da sich die Angaben widersprechen.
Wichtig ist es deshalb, die Eltern immer wieder daran zu erinnern, dass nicht
sie, sondern ihre Kinder für ihr Lernen verantwortlich sind.
Elternstimmen